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Cadence Aktienanalyse
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Einleitung
Cadence entwickelt die Software, ohne die heute kaum ein moderner Chip entstehen würde. Ob Nvidia, Apple, AMD oder Qualcomm – nahezu alle großen Halbleiterunternehmen setzen auf Lösungen von Cadence. Das Unternehmen profitiert damit direkt vom weltweiten Boom rund um Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und immer komplexere Halbleiter. Hinter dem unscheinbaren Geschäftsmodell steckt ein echter Qualitätskonzern mit außergewöhnlich hohen Margen und einer beeindruckenden Marktstellung.
KI sorgt für Rückenwind, doch auch die Bewertung ist ambitioniert. Der EDA-Markt wächst langfristig, während Cadence seinen Umsatz seit Jahren zweistellig steigert. Gleichzeitig erschließt das Unternehmen mit Systemdesign, Digital Twins und KI-gestützter Entwicklungssoftware neue Wachstumsfelder. Trotzdem gibt es Risiken. Die starke Abhängigkeit vom Halbleitermarkt, geopolitische Spannungen und die bereits hohe Bewertung der Aktie könnten das Kurspotenzial begrenzen.
Aktie mit Potenzial für langfristige Investoren? Cadence verbindet ein starkes Geschäftsmodell mit hoher Preissetzungsmacht, wiederkehrenden Umsätzen und exzellenten Renditen. Doch rechtfertigen die Wachstumsaussichten den hohen Bewertungsaufschlag? Unsere Analyse zeigt dir, ob Cadence auch heute noch eine attraktive Aktie für dein Depot ist.

Inhaltsverzeichnis
- Geschichte
- Management & Aktionärsstruktur
- Geschäftsmodell3.1 Grundlagen zum Geschäftsmodell
3.2 Geschäftsmodell im Detail - Branche4.1 Markt für elektronische Entwurfsautomatisierung (EDA)
4.2 Wettbewerbsvergleich - Kennzahlen5.1 AktienInsight-Rating
5.2 Umsatzentwicklung
5.3 EBIT und Free Cash Flow
5.4 Dividende und Aktien
5.5 Bilanzanalyse - Chancen & Risiken6.1 Chancen
6.2 Risiken - Bewertung7.1 Historische Bewertung
7.2 Rendite basierend auf dem KGV Modell - Fazit

Geschichte

Management & Aktionärsstruktur

Anirudh Devgan
Anirudh Devgan (56) ist seit Dezember 2021 CEO von Cadence Design Systems und seit November 2017 Präsident des Unternehmens. Er besitzt einen Bachelor of Technology in Elektrotechnik vom Indian Institute of Technology Delhi. An der Carnegie Mellon University erwarb er anschließend einen Master und einen Doktortitel in Elektro- und Computertechnik.
Devgans berufliche Laufbahn begann bei IBM, wo er zwölf Jahre in technischen und leitenden Funktionen arbeitete. Von 2005 bis 2012 war er bei Magma Design Automation tätig, zuletzt als Corporate Vice President und General Manager der Custom Design Business Unit. Nach seinem Wechsel zu Cadence leitete er wichtige Forschungs- und Entwicklungsbereiche, bevor er 2017 zum Präsidenten aufstieg.
Bereits vor seiner Ernennung zum CEO entwickelte Devgan die „Intelligent System Design“-Strategie. Sie erweitert Cadence über klassische Chipdesign-Software hinaus in Systemanalyse, Simulation und KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge. Unter seiner Leitung wurde dieser Kurs durch Übernahmen wie OpenEye, BETA CAE und Hexagons Design-&-Engineering-Geschäft fortgesetzt.
Vergütung
Die Vergütung von Anirudh Devgan besteht aus drei Bestandteilen:
- 1,4 % Festgehalt. Als CEO erhielt Devgan im Geschäftsjahr 2025 ein Basisgehalt von 0,80 Mio. US-Dollar.
- 96,0 % Aktienvergütung. Aktien im Wert von 54,41 Mio. US-Dollar machen nahezu die gesamte Vergütung aus. Ein Teil der Aktien wird nach einer Haltefrist von drei Jahren übertragen. Ein weiterer Teil hängt zu gleichen Teilen vom Wachstum des operativen Gewinns (EBIT) sowie der Entwicklung der Cadence-Aktie im Vergleich zu direkten Wettbewerbern ab. Zusätzlich erhielt Devgan 2025 eine außergewöhnlich hohe, langfristige Aktienzuteilung, deren endgültiger Wert vom Erreichen anspruchsvoller Aktienkursziele abhängt.
- 2,6 % Sonstige Vergütung. Weitere 1,47 Mio. US-Dollar entfielen auf sonstige Nebenleistungen.
Die Gesamtvergütung belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf rund 56,7 Mio. US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von rund 194 %. Ursache hierfür ist nahezu ausschließlich eine einmalige langfristige Aktienzuteilung, mit der Cadence den CEO langfristig an das Unternehmen binden und seine Vergütung noch stärker an die zukünftige Entwicklung des Unternehmens und des Aktienkurses koppeln möchte.
Das Vergütungsmodell überzeugt, die Höhe der Vergütung weniger. Die starke Ausrichtung auf langfristige Aktienanreize ist positiv, die Gesamtvergütung von 56,7 Mio. US-Dollar erscheint jedoch selbst unter Berücksichtigung der einmaligen Sonderzuteilung außergewöhnlich hoch.
Aktionärsstruktur
Cadence hat keinen Ankeraktionär. Die größten Anteilseigner sind Vermögensverwalter wie Vanguard, BlackRock und State Street. Diese investieren das Geld ihrer Kunden meist über ETFs und Indexfonds. Für uns als Aktionäre ist das zunächst weder besonders positiv noch negativ. Sie geben dem Unternehmen in der Regel keine strategische Richtung vor und greifen nur selten aktiv in das Geschäft ein.
CEO Anirudh Devgan hält rund 0,3 % aller Cadence-Aktien. Das entspricht einem Marktwert von etwa 258 Mio. US-Dollar und ist angesichts seiner vergleichsweise kurzen Amtszeit eine beachtliche Beteiligung. Ein großer Teil seines Vermögens hängt damit direkt von der Entwicklung des Aktienkurses ab. Seine Interessen sind dadurch eng mit denen der Aktionäre verbunden, was wir grundsätzlich positiv bewerten.
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Geschäftsmodell
Grundlagen zum Geschäftsmodell
Cadence entwickelt Software, mit der Halbleiter und andere komplexe elektronische Systeme entworfen, getestet und optimiert werden. Zu den Kunden gehören vor allem Chiphersteller, aber auch Unternehmen aus der Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Industrie, Telekommunikation und vielen weiteren Technologiebereichen. Ohne solche Software wäre die Entwicklung moderner Chips mit Milliarden Transistoren kaum noch wirtschaftlich oder technisch beherrschbar.
Das Kerngeschäft besteht aus sogenannter EDA-Software (Electronic Design Automation). Diese Programme begleiten den gesamten Entwicklungsprozess eines Chips – von der ersten Idee über das Schaltungsdesign bis zur Fertigung. Sie simulieren das Verhalten eines Designs, erkennen Fehler frühzeitig und helfen dabei, Leistung, Energieverbrauch und Chipfläche zu optimieren. Dadurch verkürzen sich Entwicklungszeiten, Kosten sinken und das Risiko teurer Fehler wird reduziert.
In den vergangenen Jahren hat Cadence sein Angebot deutlich erweitert. Neben der klassischen Chipentwicklung bietet das Unternehmen heute auch Software für das Design kompletter elektronischer Systeme, digitale Zwillinge, KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge sowie sogenannte IP-Blöcke an. Bei IP-Blöcken handelt es sich um bereits entwickelte Schaltungsmodule, die Kunden lizenzieren und direkt in ihre eigenen Chips integrieren können. So müssen viele Funktionen nicht mehr selbst entwickelt werden.
Das Geschäftsmodell basiert überwiegend auf wiederkehrenden Softwarelizenzen und langfristigen Kundenbeziehungen. Die Lösungen sind tief in die Entwicklungsprozesse der Kunden eingebunden und werden oft über viele Jahre genutzt. Ein Anbieterwechsel wäre mit hohen Kosten, großem Aufwand und technischen Risiken verbunden. Dadurch erzielt Cadence planbare Umsätze, eine hohe Kundenbindung und profitiert gleichzeitig von der wachsenden Komplexität moderner Elektronik.

Geschäftsmodell im Detail
Cadence weist nur ein operatives Segment aus und berichtet deshalb keine klassischen Geschäftssegmente. Um dennoch zu verstehen, womit das Unternehmen sein Geld verdient, lohnt sich der Blick auf die drei Produktkategorien, für die Cadence freiwillig eine Umsatzaufteilung veröffentlicht.
Software für Chipentwicklung (Core EDA) (70 %)
Core EDA ist die mit Abstand wichtigste Produktkategorie von Cadence und erwirtschaftet rund 70 % des Umsatzes. Die Software begleitet den gesamten Entwicklungsprozess eines Chips von der ersten Idee bis zur fertigen Produktion. Zu den bekanntesten Produkten zählen Virtuoso, Innovus, Tempus und Palladium. Kaum ein moderner Hochleistungschip entsteht heute ohne Werkzeuge aus diesem Bereich.
Die Kategorie profitiert direkt von immer komplexeren Chips und dem Boom rund um KI, Rechenzentren und High Performance Computing. Gleichzeitig sorgen immer kleinere Fertigungsstrukturen für höhere Anforderungen an die Entwicklungssoftware. Der Umsatz wuchs 2025 um rund 13 % und dürfte auch in den vergangenen fünf Jahren im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich pro Jahr gewachsen sein.
Systemdesign und -analyse (16 %)
Diese Produktkategorie umfasst Software für die Entwicklung kompletter elektronischer Systeme und nicht nur einzelner Chips. Kunden können damit Leiterplatten, Gehäuse, Kühlsysteme oder ganze Geräte virtuell entwickeln, simulieren und testen. Besonders wichtig sind Lösungen für digitale Zwillinge, elektromagnetische Simulationen sowie die Analyse von Temperatur, Energieverbrauch und Zuverlässigkeit.
Mit der zunehmenden Komplexität moderner Elektronik gewinnt diese Produktkategorie stetig an Bedeutung. KI-Rechenzentren, Elektroautos und hochintegrierte Systeme erfordern immer genauere Simulationen des Gesamtsystems. Der Umsatz wuchs 2025 ebenfalls um rund 13 % und dürfte auch künftig überdurchschnittlich vom Trend zu immer komplexeren elektronischen Systemen profitieren.
Wiederverwendbare Chipbausteine (Semiconductor IP) (14 %)
Semiconductor IP umfasst bereits entwickelte Schaltungsbausteine, die Kunden direkt in ihre eigenen Chips integrieren können. Dazu gehören beispielsweise Speichercontroller, Hochgeschwindigkeitsschnittstellen wie PCIe oder USB sowie SerDes- und DDR-Technologien. Dadurch sparen Kunden Entwicklungszeit, reduzieren Risiken und bringen neue Chips schneller auf den Markt.
Diese Produktkategorie ist derzeit der größte Wachstumstreiber von Cadence. Der Umsatz stieg 2025 um fast 25 % und profitierte besonders von der hohen Nachfrage nach KI-Beschleunigern sowie modernen Speicher- und Kommunikationsstandards. Da immer mehr Chips auf bewährten Standardbausteinen aufbauen, dürfte dieser Bereich auch langfristig schneller wachsen als der Gesamtkonzern.

Nachdem wir gesehen haben, womit Cadence sein Geld verdient, lohnt sich nun der Blick darauf, wo die Umsätze erzielt werden. Die regionale Verteilung zeigt, in welchen Märkten das Unternehmen besonders stark vertreten ist und wo das zukünftige Wachstum herkommen könnte.
Die USA sind mit 44 % weiterhin der wichtigste Absatzmarkt von Cadence. Hier sitzen viele der größten Kunden wie NVIDIA, AMD, Qualcomm, Broadcom oder Marvell. Auch zahlreiche Hyperscaler entwickeln inzwischen eigene KI-Chips und gehören zu den wichtigsten Investoren in moderne Halbleiter. Dadurch profitiert Cadence direkt vom anhaltenden KI-Boom.
Asien ist inzwischen fast genauso wichtig wie der US-Markt. Ohne China erzielt Cadence bereits 19 % seines Umsatzes in Ländern wie Taiwan, Südkorea, Indien und Singapur. Dort sitzen mit TSMC, Samsung und MediaTek einige der weltweit wichtigsten Halbleiterunternehmen. China steuert weitere 13 % bei und bleibt trotz Exportbeschränkungen ein bedeutender Markt für das Unternehmen.
Europa, der Nahe Osten und Afrika tragen 15 % zum Umsatz bei. Besonders Europa spielt mit Unternehmen wie Infineon, STMicroelectronics, NXP, Bosch oder ASML eine wichtige Rolle in der Halbleiterindustrie. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Entwicklungssoftware durch den Ausbau der europäischen Chipproduktion und staatliche Förderprogramme wie den European Chips Act.
Japan steuert 6 % zum Umsatz bei und verfügt mit Unternehmen wie Sony, Renesas oder Rohm über eine starke Elektronik und Halbleiterindustrie. Die übrigen Länder Amerikas kommen zusammen auf 3 %. Insgesamt zeigt die Umsatzverteilung, dass Cadence international diversifiziert ist, aber weiterhin 44 % des Umsatzes in den USA erzielt.

Nachdem klar ist, womit Cadence sein Geld verdient und in welchen Regionen das Unternehmen besonders stark ist, stellt sich die nächste Frage: Wohin soll die Reise in den kommenden Jahren gehen? Mit der Strategie "Intelligent System Design" entwickelt sich Cadence vom Spezialisten für Chipdesign zu einer KI-gestützten Plattform für die Entwicklung kompletter digitaler und physischer Systeme. Ziel ist es, den adressierbaren Markt deutlich zu vergrößern und neue Wachstumsfelder zu erschließen.
Das Kerngeschäft mit EDA-Software bleibt das Fundament des Unternehmens. Cadence investiert kontinuierlich in neue Funktionen, höhere Automatisierung und eine enge Zusammenarbeit mit führenden Chipherstellern und Auftragsfertigern wie TSMC und Samsung. Die starke Marktposition finanziert gleichzeitig den Ausbau in neue Märkte wie KI-Infrastruktur, Rechenzentren und digitale Zwillinge.
Cadence entwickelt sich zunehmend von einem Anbieter für Chipdesign zu einer Plattform für komplette elektronische Systeme. Dafür hat das Unternehmen sein Angebot durch Übernahmen wie Future Facilities, OpenEye, BETA CAE oder Secure-IC erweitert. Heute unterstützt Cadence Kunden nicht nur beim Chipdesign, sondern auch bei der Entwicklung von Leiterplatten, Fahrzeugen, Robotik sowie industriellen und wissenschaftlichen Anwendungen.
Künstliche Intelligenz soll die gesamte Entwicklungsplattform produktiver machen. Lösungen wie Cerebrus nutzen KI, um Chipdesigns schneller zu optimieren und Entwicklungszeiten zu verkürzen. Gleichzeitig baut Cadence sein Geschäft mit wiederverwendbaren Chipbausteinen kontinuierlich aus. Mehr IP erhöht die Erlöse je Kunde, stärkt die Kundenbindung und schafft die Grundlage, um auch vom Wachstum in Bereichen wie Physical AI und Life Sciences zu profitieren.

Die Strategie von Cadence baut auf einem langfristigen Trend auf, der die gesamte Halbleiterindustrie seit Jahrzehnten prägt. Gemeint ist das Mooresche Gesetz. Gordon Moore beobachtete bereits 1965, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem Chip ungefähr alle zwei Jahre verdoppelt. Chips werden immer leistungsfähiger und gleichzeitig immer komplexer.
Mit jedem Technologiesprung steigen auch die Anforderungen an die Entwicklung. Moderne Prozessoren enthalten heute mehrere zehn bis über hundert Milliarden Transistoren. Schon kleinste Fehler können hohe Kosten verursachen oder ganze Produkte verzögern. Deshalb müssen neue Chips heute deutlich intensiver simuliert, getestet und optimiert werden als noch vor wenigen Jahren. Genau an dieser Stelle kommen die Softwarelösungen von Cadence zum Einsatz.
Für Cadence ist diese Entwicklung ein wichtiger struktureller Wachstumstreiber. Je komplexer Chips werden, desto größer wird der Bedarf an leistungsfähiger EDA-Software, Verifikationslösungen und Simulationen. Gleichzeitig steigen die Entwicklungskosten neuer Chips so stark an, dass Software, die Fehler früh erkennt und Entwicklungszeiten verkürzt, für viele Kunden einen immer höheren wirtschaftlichen Nutzen schafft.
Das Mooresche Gesetz ist deshalb weit mehr als nur eine technische Faustregel. Es beschreibt einen Trend, der die Nachfrage nach den Produkten von Cadence seit Jahrzehnten antreibt. Solange die Halbleiterindustrie leistungsfähigere und komplexere Chips entwickelt, dürfte auch der Bedarf an den Entwicklungswerkzeugen von Cadence weiterwachsen.

Fazit zum Geschäftsmodell
Cadence verfügt aus unserer Sicht über eines der stärksten Geschäftsmodelle der Halbleiterbranche. Das Unternehmen ist technologisch tief in den Entwicklungsprozessen seiner Kunden verankert und profitiert von hohen Wechselkosten, wiederkehrenden Softwareerlösen und langfristigen Kundenbeziehungen. Gleichzeitig erweitert Cadence seine Plattform Schritt für Schritt über das klassische Chipdesign hinaus und erschließt damit zusätzliche Wachstumsmärkte.
Besonders überzeugend ist, dass mehrere langfristige Trends gleichzeitig für das Unternehmen arbeiten. Immer komplexere Chips, der weltweite Ausbau von KI-Infrastruktur und die zunehmende Digitalisierung kompletter Systeme erhöhen den Bedarf an den Lösungen von Cadence stetig. Solange diese Entwicklungen anhalten, sehen wir gute Chancen, dass Cadence sowohl Umsatz als auch Profitabilität über viele Jahre weiter steigern kann.

Branche
Markt für elektronische Entwurfsautomatisierung (EDA)
Der Markt für elektronische Entwurfsautomatisierung, kurz EDA, gehört zu den wichtigsten Bausteinen der Halbleiterindustrie. Ohne EDA-Software könnten moderne Chips kaum entwickelt werden. Sie unterstützt den gesamten Entwicklungsprozess von der ersten Schaltung über die Verifikation bis hin zur fertigen Produktion. Je leistungsfähiger und komplexer Chips werden, desto wichtiger werden diese Werkzeuge.
Der weltweite EDA-Markt erreichte 2025 ein Volumen von rund 13,1 Mrd. US-Dollar. Zwischen 2021 und 2025 wuchs der Markt mit durchschnittlich 3,1 % pro Jahr. Für den Zeitraum von 2026 bis 2034 erwarten wir eine Beschleunigung auf 6,4 % jährlich. Bis 2034 soll das Marktvolumen dadurch auf rund 23,0 Mrd. US-Dollar steigen.
Der wichtigste Wachstumstreiber ist die steigende Komplexität moderner Halbleiter. KI-Beschleuniger, Hochleistungsprozessoren, Rechenzentren, autonomes Fahren sowie 5G und Industrieanwendungen benötigen immer leistungsfähigere Chips. Gleichzeitig steigen die Entwicklungskosten und die Zahl möglicher Fehler. Unternehmen sind deshalb stärker denn je auf leistungsfähige EDA-Software angewiesen.
Zusätzlichen Rückenwind erhält die Branche durch den weltweiten Ausbau der Halbleiterproduktion. Die USA, Europa, China und weitere Länder investieren Milliarden in neue Fabriken und stärken damit die gesamte Wertschöpfungskette. Jeder neue Chip muss entwickelt, simuliert und verifiziert werden. Davon profitieren EDA-Anbieter unabhängig davon, welcher Halbleiterhersteller am Ende den Auftrag erhält.

Auffällig ist außerdem die außergewöhnlich hohe Marktkonzentration. Synopsys und Cadence vereinen zusammen rund 57 % des weltweiten EDA-Marktes auf sich. Siemens folgt mit etwa 11 %, während sich alle übrigen Anbieter die verbleibenden 32 % teilen. Diese Marktstruktur erschwert es neuen Wettbewerbern erheblich, relevante Marktanteile zu gewinnen.
Die hohen Eintrittsbarrieren sind einer der größten Vorteile der Branche. Kunden entwickeln Chips oft über viele Jahre mit denselben Werkzeugen. Ein Wechsel wäre teuer, zeitaufwendig und mit erheblichen Risiken verbunden. Dadurch entstehen langfristige Kundenbeziehungen, hohe Wechselkosten und wiederkehrende Erlöse. Gleichzeitig investieren die führenden Anbieter jedes Jahr Milliarden in Forschung und Entwicklung, was ihren technologischen Vorsprung zusätzlich absichert.
Risiken gibt es dennoch. Der EDA-Markt hängt eng von den Investitionen der Halbleiterindustrie ab. Schwächere Konjunkturphasen oder eine geringere Nachfrage nach Chips können Projekte verzögern. Langfristig dürfte dieser Effekt jedoch begrenzt sein, da der weltweite Bedarf an Rechenleistung, KI-Anwendungen und immer leistungsfähigeren Halbleitern weiter steigt.

Wettbewerbsvergleich
Synopsys
Synopsys entwickelt Software für den Entwurf und die Verifikation komplexer Halbleiter. Hinzu kommen fertige Chipbausteine, sogenannte Semiconductor IP, die Kunden in eigene Prozessoren integrieren können. Im Gegensatz zu Cadence erzielt Synopsys einen größeren Umsatzanteil mit IP. Das macht das Unternehmen stärker vom Umfang neuer Chipprojekte und von der Nachfrage nach Schnittstellen, Speichercontrollern und Prozessortechnologien abhängig.
Durch die 2025 abgeschlossene Übernahme von Ansys reicht das Angebot nun deutlich über den Chipentwurf hinaus. Synopsys kann zusätzlich simulieren, wie sich komplette Produkte hinsichtlich Wärme, Mechanik, Flüssigkeiten oder elektromagnetischer Verträglichkeit verhalten. Dadurch wächst der adressierbare Markt, die Integration ist aber komplex und hat die Verschuldung deutlich erhöht. Cadence erweitert seine Systemanalyse dagegen überwiegend organisch und durch kleinere Übernahmen.
Synopsys erreicht mit 19,4 % das stärkste Dreijahreswachstum, wobei die Ansys-Übernahme einen erheblichen Teil davon erklärt. Die operative Marge von 13,0 % und die hohe Nettoverschuldung wirken dagegen schwach. Auch das KGV von 144 für 2026 ist kaum aussagekräftig, da Integrationskosten und Abschreibungen den Gewinn belasten. Für Anleger bietet Synopsys viel strategisches Potenzial, derzeit aber auch das höchste Umsetzungsrisiko.
Dassault Systèmes
Dassault Systèmes bietet mit CATIA, SOLIDWORKS und der 3DEXPERIENCE-Plattform Software für Produktentwicklung, Fertigung und Lebenszyklusmanagement. Die Anwendungen begleiten komplette Produkte von der ersten Konstruktion bis zum laufenden Betrieb. Cadence konzentriert sich dagegen stärker auf Chips, Leiterplatten und elektronische Systeme. Dassault ist breiter in Automobilbau, Luftfahrt, Industrie und Biowissenschaften vertreten und daher weniger direkt von Halbleiterinvestitionen abhängig.
Das Geschäftsmodell basiert auf langfristig eingebetteten Entwicklungsplattformen, die technische Daten, Simulationen und Arbeitsabläufe vieler Abteilungen verbinden. Ein Wechsel ist für Kunden entsprechend aufwendig. Im Vergleich zu Cadence arbeitet Dassault näher an der mechanischen Konstruktion und am industriellen Gesamtprodukt. Cadence besitzt dafür eine tiefere technologische Stellung im elektronischen Design und profitiert stärker von steigender Chipkomplexität und KI-Investitionen.
Dassault sticht mit der höchsten EBIT-Marge von 32,0 %, einer Nettocashposition und der niedrigsten Bewertung hervor. Das KGV von 19,3 und das KUV von 4,2 für 2026 liegen deutlich unter den Vergleichswerten. Gleichzeitig wächst der Umsatz langsamer als bei Cadence oder Synopsys. Die Aktie verbindet damit hohe Profitabilität und eine günstige Bewertung, bietet aktuell aber weniger Wachstumsdynamik.
Autodesk
Autodesk entwickelt Software für Architektur, Bauwesen, industrielle Konstruktion und Medienproduktion. Bekannte Produkte sind AutoCAD, Revit, Fusion und Maya. Während Cadence die digitale Entwicklung von Chips und elektronischen Systemen ermöglicht, wird Autodesk vor allem für Gebäude, Maschinen und dreidimensionale Modelle eingesetzt. Die Unternehmen ähneln sich durch abonnementbasierte Softwareerlöse, bedienen aber weitgehend unterschiedliche Kunden und technische Arbeitsschritte.
Autodesk adressiert mit seinen Plattformen zunehmend den gesamten Prozess von der Planung bis zur Fertigung und zum Gebäudebetrieb. Das Unternehmen ist jedoch stärker vom Bau- und Investitionszyklus abhängig als Cadence. Cadence profitiert dagegen von technologisch getriebenen Entwicklungsbudgets der Halbleiterindustrie. Autodesk baut seine Plattform zusätzlich durch Übernahmen aus, darunter die geplante Akquisition von MaintainX für Wartungs- und Betriebsprozesse.
Bei den Kennzahlen liegt Autodesk im Mittelfeld. Das historische Wachstum ist solide, die EBIT-Marge von 22,1 % liegt aber unter Cadence und Dassault. Positiv fallen die geringe Nettoverschuldung sowie deutlich niedrigere KGV- und KUV-Multiplikatoren gegenüber Cadence auf. Das Unternehmen wächst jedoch langsamer und zahlt ebenfalls keine Dividende. Eine laufende Restrukturierung soll die Kostenbasis verbessern, verursacht zunächst aber zusätzliche Belastungen.
Cadence-Aktie im Vergleich
Cadence verbindet das stärkste Fünfjahreswachstum mit einer hohen EBIT-Marge. Das Unternehmen wächst überwiegend aus eigener Kraft und ist besonders stark in geschäftskritischer Chipdesignsoftware verankert. Gegenüber Synopsys bestehen geringere Integrations- und Finanzierungsrisiken. Dassault fällt dagegen trotz geringeren Wachstums mit einer außergewöhnlich hohen EBIT-Marge und der mit Abstand niedrigsten Bewertung auf. Wer neben Wachstum auch auf den Preis achtet, sollte Dassault deshalb ebenfalls genauer betrachten.

Kennzahlen
AktienInsight-Rating
Cadence erreicht im AktienInsight-Rating die Höchstwertung von 9 von 9 Punkten und gehört damit zu den qualitativ stärksten Softwareunternehmen überhaupt. Besonders beeindruckend ist das Zusammenspiel aus Wachstum und Profitabilität. Das Unternehmen steigert seinen Umsatz seit Jahren zweistellig, während EBIT und Free Cash Flow sogar noch schneller wachsen. Das zeigt, dass Cadence nicht nur größer wird, sondern seine Skaleneffekte konsequent in steigende Gewinne umsetzt.
Ebenso überzeugend ist die finanzielle Qualität. Eine EBIT-Marge von über 28 % und hohe Kapitalrenditen zeigen, dass Cadence seine Investitionen äußerst effizient einsetzt und nachhaltige Wettbewerbsvorteile besitzt. Nach der Hexagon-Übernahme weist Cadence zwar rund 1,1 Mrd. US-Dollar Nettoschulden aus, mit einem Net-Debt/EBITDA-Verhältnis von etwa 0,5x bleibt die Verschuldung jedoch sehr niedrig.

Umsatzentwicklung
Cadence hat den Umsatz in den vergangenen zehn Jahren um starke 12 % pro Jahr gesteigert. Besonders bemerkenswert ist, dass das Wachstum trotz der bereits hohen Unternehmensgröße kaum nachgelassen hat. Der kräftige Sprung im Jahr 2022 war vor allem auf die anhaltend hohe Nachfrage nach EDA-Software, den Ausbau des Systemdesign-Geschäfts und mehrere Übernahmen zurückzuführen. Das zeigt, wie eng Cadence vom weltweiten Chipboom profitiert.
Auch für die kommenden Jahre erwarten wir keine Abschwächung. Wir gehen sogar von einem etwas höheren Umsatzwachstum aus als im vergangenen Jahrzehnt. Das ist ungewöhnlich, denn mit zunehmender Unternehmensgröße wird schnelles Wachstum normalerweise schwieriger. Rückenwind sehen wir vor allem durch Künstliche Intelligenz, immer komplexere Halbleiter und den Ausbau des Systemdesign-Geschäfts. Diese Trends sprechen dafür, dass Cadence seinen Wachstumskurs fortsetzen kann.

EBIT und Free Cash Flow
Das EBIT ist in den vergangenen zehn Jahren sogar noch schneller gewachsen als der Umsatz. Das ist ein gutes Zeichen, denn Cadence wird nicht nur größer, sondern arbeitet gleichzeitig profitabler. Vor allem zwischen 2021 und 2023 legte das operative Ergebnis kräftig zu. Dahinter stehen höhere Softwareerlöse mit hohen Margen, ein wachsender Anteil wiederkehrender Umsätze und Skaleneffekte, weil die Kosten deutlich langsamer steigen als die Erlöse.
Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzt. Das EBIT dürfte bis 2028 sogar noch schneller wachsen als der Umsatz und die EBIT-Marge voraussichtlich auf über 30 % steigen. Das wäre ein klares Zeichen dafür, dass Cadence seine starke Marktposition weiter ausbaut. Gerade bei Softwareunternehmen sind steigende Margen ein wichtiger Hinweis auf Preissetzungsmacht und ein sehr effizientes Geschäftsmodell.

Der Free Cash Flow eines Unternehmens gibt an, wie viel freie Mittel es wirklich pro Jahr zur Verfügung hat. Mit diesem Geld können Dividenden gezahlt, Schulden getilgt oder in neue Projekte im Unternehmen investiert werden.
Der Free Cash Flow ist in den vergangenen zehn Jahren mit knapp 17 % pro Jahr noch etwas schneller gewachsen als der Umsatz. Das zeigt, dass Cadence seine Gewinne nicht nur auf dem Papier erzielt, sondern sie auch zuverlässig in liquide Mittel umwandelt. Der kleinere Rückgang im Jahr 2024 wirkt auf den ersten Blick auffällig, lag aber vor allem an höheren Steuerzahlungen und Investitionen ins Working Capital. Schon 2025 erreichte der Free Cash Flow wieder ein neues Rekordniveau.

Ein Blick auf die Margen zeigt, warum Cadence so profitabel ist. Die Bruttomarge liegt seit Jahren konstant bei rund 85 %. Das ist typisch für ein sehr starkes Softwaregeschäft, denn jede zusätzlich verkaufte Lizenz verursacht kaum noch Kosten. Gleichzeitig konnte Cadence die EBIT-Marge über viele Jahre fast kontinuierlich steigern. Das zeigt, dass das Unternehmen wächst, ohne seine Kosten im gleichen Tempo erhöhen zu müssen.
Kurzfristig gab es bei der EBIT-Marge zuletzt eine kleine Verschnaufpause. Das lag vor allem an höheren Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie an Integrationskosten nach Übernahmen. Aus unserer Sicht ist das jedoch kein Warnsignal. Im Gegenteil: Wir erwarten, dass sich diese Investitionen langfristig auszahlen und die operative Marge wieder auf über 30 % steigt. Das würde die ohnehin starke Ertragskraft weiter untermauern.

Ausschüttungen
Ein wachsender Gewinn ist nur dann wirklich etwas wert, wenn er sich auf möglichst wenige Aktien verteilt. Genau das ist bei Cadence der Fall. Die Aktienanzahl ist in den vergangenen zehn Jahren leicht zurückgegangen. Das Unternehmen nutzt einen Teil seines freien Cashflows regelmäßig für Aktienrückkäufe und gleicht damit nicht nur die Verwässerung durch aktienbasierte Vergütungen aus, sondern reduziert die Zahl der ausstehenden Aktien insgesamt.
Für uns ist das ein positives Signal. Aktienrückkäufe schaffen zwar kein operatives Wachstum, erhöhen aber den Gewinn und den Free Cash Flow je Aktie. Langfristige Aktionäre profitieren dadurch doppelt: Zum einen wächst das Unternehmen selbst, zum anderen verteilt sich dieser Wertzuwachs auf weniger Anteile. Dass Cadence dieses Programm über viele Jahre diszipliniert verfolgt, spricht für eine aktionärsfreundliche Kapitalallokation.

Bilanzanalyse
Schulden. Cadence weist rund 1,1 Mrd. US-Dollar Nettoschulden aus. Gemessen am EBITDA entspricht das einem Net-Debt/EBITDA-Verhältnis von etwa 0,5x. Der Anstieg hängt vor allem mit der Übernahme des Design-&-Engineering-Geschäfts von Hexagon zusammen. Trotz der höheren Verschuldung bleibt die Bilanz damit sehr solide und Cadence verfügt weiterhin über ausreichend finanziellen Spielraum für Investitionen und weiteres Wachstum.
Zinsen. Die jährlichen Zinszahlungen entsprechen nur rund 7,1 % des Free Cash Flows. Das zeigt, dass die Finanzierungskosten für Cadence praktisch keine Rolle spielen. Selbst bei einem vorübergehenden Gewinnrückgang wäre das Unternehmen problemlos in der Lage, seine Zinsen zu bedienen. Aus unserer Sicht stellt die Zinsbelastung daher kein nennenswertes Risiko dar.
Kreditrating. Fitch bewertet Cadence mit einem A-. Das ist ein gutes Investment-Grade-Rating und bestätigt die solide Bonität des Unternehmens. Zwar erreicht Cadence damit nicht die Spitzenklasse wie einige der größten Softwarekonzerne, das Rating signalisiert aber dennoch eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit und einen guten Zugang zum Kapitalmarkt.
Goodwill. Goodwill entsteht bei Übernahmen und ist ein fiktiver Wert für Kundenbeziehungen, Wachstumspotenzial oder auch Netzwerkeffekte.
Cadence weist rund 4,9 Mrd. US-Dollar Goodwill aus. Das entspricht etwa 41 % der Bilanzsumme und liegt damit deutlich über unserem Richtwert von 25 %. Der starke Anstieg ist vor allem auf die jüngsten Übernahmen zurückzuführen. Damit steigt das Risiko möglicher Wertberichtigungen, falls sich die Erwartungen an die übernommenen Unternehmen nicht erfüllen. Den hohen Goodwill sehen wir daher inzwischen als Schwachpunkt der Bilanz.
Fazit zur Bilanz. Die Bilanz von Cadence ist insgesamt solide. Das Unternehmen weist rund 1,1 Mrd. US-Dollar Nettoschulden aus, die Verschuldung bleibt jedoch niedrig. Dazu kommen eine geringe Zinslast und ein solides Investment-Grade-Rating. Kritischer sehen wir inzwischen den Goodwill, der mit rund 4,9 Mrd. US-Dollar etwa 41 % der Bilanzsumme ausmacht. Insgesamt ist Cadence finanziell weiterhin gut aufgestellt, die Bilanz gehört für uns aber nicht mehr zu den größten Stärken des Unternehmens.

Chancen & Risiken
Chancen
Wachstum durch steigende Komplexität von Halbleitern. Moderne Chips für KI, High Performance Computing und Automotive enthalten Milliarden Transistoren und werden immer schwieriger zu entwickeln. Dadurch steigt der Bedarf an leistungsfähigen EDA-Werkzeugen kontinuierlich. Cadence profitiert, weil Kunden für komplexere Designs mehr Softwaremodule und höhere Rechenleistung benötigen.
KI als zusätzlicher Wachstumstreiber. Künstliche Intelligenz erhöht nicht nur die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips, sondern verändert auch den Entwicklungsprozess selbst. Cadence integriert generative KI und KI-gestützte Automatisierung in seine Software, wodurch Kunden Entwicklungszeit sparen und bessere Designs erstellen können. Gelingt die breite Einführung dieser Funktionen, kann das die Kundenbindung und den Umsatz pro Kunde weiter erhöhen.
Ausbau des Systemdesign-Geschäfts. Die Entwicklung verlagert sich zunehmend vom reinen Chipdesign hin zur Optimierung kompletter elektronischer Systeme. Mit Simulation, Digital Twins und Multiphysics-Software deckt Cadence heute deutlich mehr Bereiche der Produktentwicklung ab als noch vor wenigen Jahren. Dadurch steigt der adressierbare Markt erheblich und neue Kundengruppen werden erschlossen.
Skalierung des IP-Geschäfts. Cadence verkauft neben Software auch eigene Chipbausteine wie Speicher- und Hochgeschwindigkeits-Schnittstellen. Diese IP-Blöcke werden mit jeder neuen Chipgeneration wichtiger und lassen sich mehrfach lizenzieren. Wächst dieses Geschäft weiter überdurchschnittlich, verbessert sich gleichzeitig die Profitabilität.
Steigende Halbleiterinvestitionen weltweit. Regierungen und Unternehmen investieren Milliarden in neue Chipfabriken und stärken ihre Halbleiterindustrie. Mehr Chipentwicklungsprojekte bedeuten langfristig auch mehr Nachfrage nach EDA-Software, Verifikationslösungen und Systemsimulation. Als einer der drei weltweit führenden Anbieter gehört Cadence zu den größten Profiteuren dieses Trends.
Risiken

Verschärfter Wettbewerb mit Synopsys und Siemens EDA. Der EDA-Markt wird von nur wenigen Anbietern dominiert, die sich in nahezu allen Produktbereichen direkt konkurrieren. Verliert Cadence technologische Führungspositionen oder größere Kunden, könnte das Wachstum und die Preissetzungsmacht spürbar beeinträchtigen.
Schadenshöhe: hoch, Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch
Schwächere Halbleiterinvestitionen. Obwohl ein großer Teil der Umsätze wiederkehrend ist, hängen Neuabschlüsse und Erweiterungen vom Investitionszyklus der Chiphersteller ab. Schwächere Endmärkte oder verschobene Entwicklungsprogramme können das Wachstum vorübergehend bremsen.
Schadenshöhe: mittel, Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch
China-Exportbeschränkungen. China gehört zu den wichtigsten Wachstumsmärkten von Cadence. Verschärfte US-Exportkontrollen oder neue Handelskonflikte könnten den Verkauf bestimmter Software und Technologien einschränken und das Wachstum in der Region deutlich belasten.
Schadenshöhe: hoch, Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Technologischer Rückstand. Kunden erwarten bei jeder neuen Chipgeneration leistungsfähigere Entwicklungswerkzeuge. Sollte Cadence wichtige Technologietrends wie KI oder neue Verfahren für den Entwurf und die Verbindung komplexer Halbleiter übersehen, könnten Wettbewerber Marktanteile gewinnen.
Schadenshöhe: mittel, Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel

Bewertung
Historische Bewertung
Mit einem aktuellen KUV von 14,8 liegt Cadence deutlich über dem historischen Median von 11,2. Der Markt bewertet das Unternehmen also höher als im langfristigen Durchschnitt. Dahinter steckt vor allem die Erwartung, dass Cadence seinen Umsatz über viele Jahre zweistellig steigern und seine starke Marktposition weiter ausbauen kann.
Wir gehen davon aus, dass diese hohe Bewertung nicht dauerhaft bestehen bleibt. Da der Umsatz jedoch schneller wächst als der Aktienkurs, dürfte sich das KUV bis 2028 schrittweise normalisieren. Das wäre für ein reifes Qualitätsunternehmen eine völlig normale Entwicklung.

Auch beim KGV zeigt sich eine ambitionierte Bewertung. Mit aktuell 71,2 liegt Cadence deutlich über dem historischen Median von 50. Investoren sind bereit, einen hohen Aufpreis für die außergewöhnliche Marktposition und die langfristig hohen Wachstumschancen des Unternehmens zu bezahlen.

Rendite basierend auf dem KGV-Modell
Für die Bewertung der Cadence-Aktie verwenden wir ein eigenes Modell basierend auf dem KGV der Aktie. Dadurch können wir abschätzen, wie sich Unternehmenswachstum und Bewertung langfristig entwickeln könnten. Das Modell kombiniert Umsatzwachstum, Margenentwicklung und eine realistische Bewertung in zehn Jahren.
Dafür erstellen wir drei Szenarien: ein mittleres, ein Bären- und ein Bullen-Szenario. Je nach Szenario treffen wir unterschiedlich optimistische Annahmen für Wachstum, Profitabilität und Bewertung.
Für die Zukunft nehmen wir an, dass Cadence eine Ausschüttungsrendite von 0,5 % erzielen wird.
Aktuell kommt Cadence auf ein erwartetes 2026er KGV von 71. Das liegt deutlich über dem historischen Median und zeigt, dass der Markt bereits hohe Erwartungen eingepreist hat. Entsprechend gehen wir davon aus, dass das Bewertungsniveau langfristig sinkt, selbst wenn das Unternehmen operativ weiter stark wächst.
Mittleres Szenario
In diesem Szenario gehen wir davon aus, dass Cadence seine starke Marktposition behauptet und weiterhin von der steigenden Komplexität moderner Chips sowie vom KI-Boom profitiert. Ergänzende Übernahmen erweitern das Produktportfolio, bleiben aber ein untergeordneter Wachstumstreiber.
- Wir gehen von 11,0 % organischem Umsatzwachstum pro Jahr aus.
- Durch kleinere Übernahmen kommen 1,5 % zusätzliches Wachstum hinzu.
- Die EBIT-Marge steigt auf 33,0 %.
- Wir nehmen an, dass das KGV auf 45 sinkt und damit weiterhin deutlich über dem historischen Durchschnitt des Gesamtmarktes liegt.
Damit erhalten wir eine jährliche Kursrendite von 7,5 %. Einschließlich der Ausschüttungsrendite von 0,5 % ergibt sich eine Gesamtrendite von 8,0 % pro Jahr.
Bären-Szenario
In diesem Szenario unterstellen wir eine deutliche Abschwächung des organischen Wachstums. Die Nachfrage nach EDA-Software entwickelt sich schwächer und Cadence versucht, einen Teil des Wachstums durch Übernahmen zu kompensieren. Gleichzeitig führen Integrationskosten und höherer Wettbewerbsdruck zu sinkenden Margen.
- Wir gehen von 7,0 % organischem Umsatzwachstum pro Jahr aus.
- Übernahmen liefern zusätzlich 2,5 % Wachstum.
- Die EBIT-Marge sinkt auf 27,0 %.
- Das KGV fällt auf 35, da der Markt geringere Wachstumsraten erwartet.
Damit erhalten wir eine jährliche Kursrendite von 0,0 %. Einschließlich der Ausschüttungsrendite von 0,5 % ergibt sich eine Gesamtrendite von 0,5 % pro Jahr.
Bullen-Szenario
In diesem Szenario profitiert Cadence überdurchschnittlich vom Boom der Künstlichen Intelligenz sowie von immer leistungsfähigeren und komplexeren Halbleitern. Das Unternehmen wächst überwiegend aus eigener Kraft und erzielt zusätzliche Skaleneffekte.
- Wir gehen von 14,0 % organischem Umsatzwachstum pro Jahr aus.
- Übernahmen tragen lediglich 0,5 % Wachstum bei.
- Die EBIT-Marge steigt auf 38,0 %.
- Das KGV sinkt auf 55 und bleibt damit auf einem Premiumniveau.
Damit erhalten wir eine jährliche Kursrendite von 13,1 %. Einschließlich der Ausschüttungsrendite von 0,5 % ergibt sich eine Gesamtrendite von 13,6 % pro Jahr.
Ergebnis
Im Durchschnitt ergibt sich daraus eine Renditeerwartung von 6,6 % pro Jahr. Die drei Szenarien werden gleich gewichtet, damit sowohl Chancen als auch Risiken angemessen berücksichtigt werden. Zusätzlich ziehen wir einen Sicherheitsabschlag von 10 % auf den fairen Wert ab. Dieser Abschlag ist in der Rendite bereits enthalten.
Aus unserer Sicht ist die Cadence-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau deshalb überbewertet. Erst bei Kursen um 240 US-Dollar liegt die erwartete Rendite über 10 % pro Jahr und die Bewertung wird für langfristige Investoren attraktiv. Oberhalb dieses Niveaus würden wir die Aktie eher als haltenswert einstufen.

Fazit
Cadence ist einer der weltweit führenden Anbieter von Software für die Entwicklung von Halbleitern und elektronischen Systemen. Die Lösungen begleiten den gesamten Chipentwicklungsprozess und sind tief in die Arbeitsabläufe der Kunden integriert. Hohe Wechselkosten, wiederkehrende Softwareerlöse und starke Kundenbindungen machen das Geschäftsmodell besonders robust und profitabel.
Cadence profitiert von einem strukturell attraktiven Markt. Der weltweite EDA-Markt hatte 2025 ein Volumen von rund 13,1 Mrd. US-Dollar und soll bis 2034 auf 23,0 Mrd. US-Dollar wachsen. Gleichzeitig kontrollieren Cadence und Synopsys zusammen rund 57 % des Marktes. Immer komplexere Chips und der KI-Boom sorgen dafür, dass die Nachfrage nach den Lösungen langfristig weiter steigen dürfte.
Operativ gehört Cadence zu den besten Softwareunternehmen überhaupt. Im AktienInsight-Rating erreicht das Unternehmen 9 von 9 Punkten. Der Umsatz wuchs in den vergangenen zehn Jahren um 12 % pro Jahr, die EBIT-Marge liegt bei starken 28,2 % und die Verschuldung mit rund 0,5x Net Debt/EBITDA auf einem niedrigen Niveau. Die Kehrseite ist die Bewertung: Mit einem KGV von 71 und einem KUV von 14,8 ist bereits viel Optimismus eingepreist.
Die größten Chancen sehen wir im KI-Boom, der steigenden Komplexität moderner Halbleiter und dem Ausbau des Systemdesign-Geschäfts. Gleichzeitig bleiben der Wettbewerb mit Synopsys und Siemens EDA sowie mögliche Exportbeschränkungen gegenüber China wichtige Risiken. Insgesamt überwiegen für uns die Chancen, da Cadence technologisch hervorragend positioniert ist und von mehreren langfristigen Trends gleichzeitig profitiert.
Wir finden die Cadence-Aktie derzeit eher haltenswert. Das Unternehmen verfügt aus unserer Sicht über eines der stärksten Geschäftsmodelle der Softwarebranche und dürfte auch in den kommenden Jahren von KI, der steigenden Chipkomplexität und hohen Markteintrittsbarrieren profitieren. Die aktuelle Bewertung ist allerdings sehr ambitioniert. Unsere Analyse ergibt beim aktuellen Kurs lediglich eine erwartete Gesamtrendite von 6,6 % pro Jahr. Wirklich attraktiv wird die Aktie aus unserer Sicht erst bei Kursen um 240 US-Dollar.
Über den Autor
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Ibo Ahmiane (ProfessorFinanzen)
Vom normalen Bankangestellten zu einem der erfolgreichsten Finfluencer. Ibo spricht auf seinen Social Media Kanälen über finanzielle Bildung und erreicht dort schon über 2,2 Millionen Menschen. Durch seine Arbeit in der Bank musste er immer wieder feststellen, dass die meisten Menschen keine Ahnung davon haben, wie sie richtig mit ihrem Geld umgehen. Unser Bildungssystem hat scheinbar keinen Platz für Finanzbildung und das will er ändern. Ibo selbst hat im Alter von 28 Jahren bereits über 1.000.000€ investiert.
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