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Procter & Gamble Aktienanalyse
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Einleitung
Marken, die fast jeder kennt. Ein Geschäftsmodell, das seit Jahrzehnten funktioniert. Procter & Gamble gehört mit Marken wie Pampers, Ariel, Gillette und Oral-B zu den größten Konsumgüterkonzernen der Welt. Millionen Menschen greifen jeden Tag zu den Produkten des Unternehmens. Doch reicht diese starke Marktstellung auch aus, um in Zukunft weiter zu wachsen? Oder stößt der Konzern langsam an seine Grenzen?
Preiserhöhungen, Innovationen und Schwellenländer als Wachstumstreiber. In den vergangenen Jahren hat Procter & Gamble bewiesen, dass selbst in schwierigen Zeiten steigende Umsätze und hohe Margen möglich sind. Doch wie lange funktioniert diese Strategie noch? Können neue Produkte, der Ausbau in aufstrebenden Märkten und Produktivitätsgewinne das Wachstum weiter antreiben? Gleichzeitig nehmen Handelsmarken, geopolitische Risiken und der zunehmende Kostendruck den Konzern stärker unter Druck.
Eine Qualitätsaktie zum fairen Preis? Procter & Gamble zählt seit Jahrzehnten zu den zuverlässigsten Unternehmen an der Börse und erhöht seine Dividende seit fast 70 Jahren ohne Unterbrechung. Nach der zuletzt eher schwachen Kursentwicklung stellt sich jedoch eine entscheidende Frage: Bietet die aktuelle Bewertung wieder eine attraktive Einstiegschance? In unserer Analyse zeigen wir, ob die Aktie auch heute noch das Potenzial hat, langfristig überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Inhaltsverzeichnis
- Geschichte
- Management & Aktionärsstruktur
- Geschäftsmodell3.1 Grundlagen zum Geschäftsmodell
3.2 Geschäftsmodell im Detail - Branche4.1 Die FMCG-Branche
4.2 Wettbewerbsvergleich - Kennzahlen5.1 AktienInsight-Rating
5.2 Umsatzentwicklung
5.3 EBIT und Free Cash Flow
5.4 Ausschüttungen
5.5 Bilanzanalyse - Chancen & Risiken6.1 Chancen
6.2 Risiken - Bewertung7.1 Historische Bewertung
7.2 Rendite basierend auf KGV - Fazit

Geschichte

Management & Aktionärsstruktur

Shailesh Jejurikar
Shailesh Jejurikar (58) ist seit Januar 2026 CEO von Procter & Gamble. Er studierte Volkswirtschaftslehre an der University of Mumbai und schloss dort 1987 mit einem Bachelor ab. Anschließend absolvierte er 1989 das Post Graduate Programme in Management am renommierten Indian Institute of Management Lucknow. Seine Ausbildung verbindet wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen mit einer praxisorientierten Managementausbildung und legte die Basis für seine internationale Führungslaufbahn.
Jejurikar trat 1989 als Assistant Brand Manager bei Procter & Gamble in Indien ein und verbrachte seine gesamte berufliche Laufbahn im Unternehmen. Er übernahm Führungsaufgaben in Nordamerika, Europa, Asien und Afrika sowie in den Bereichen Fabric Care, Home Care, Health Care und Beauty. Ab 2015 leitete er das globale Fabric-Care-Geschäft, später zusätzlich Home Care. 2021 wurde er zum Chief Operating Officer (COO) ernannt und verantwortete die weltweiten operativen Abläufe des Konzerns.
Seine Ernennung zum CEO steht für Kontinuität, da Jejurikar maßgeblich an der Umsetzung der heutigen Unternehmensstrategie beteiligt war. Als Mitglied des globalen Führungsteams seit 2014 trug er zum Ausbau der margenstarken Kategorien Fabric & Home Care sowie zur Stärkung der globalen Lieferkette und der operativen Effizienz bei. Zudem verantwortete er mehrere Jahre die konzernweite Nachhaltigkeitsstrategie. Seine bisherige Laufbahn deutet auf einen Fokus auf diszipliniertes Wachstum, Innovation und operative Exzellenz hin, nicht auf einen grundlegenden Strategiewechsel.
Vergütung
Da Jon Moeller während des betrachteten Geschäftsjahres als CEO tätig war, bezieht sich die folgende Analyse auf seine Vergütungsstruktur. Shailesh Jejurikar übernahm die Position des CEO erst im Januar 2026. Da Procter & Gamble seit vielen Jahren ein konsistentes, langfristig ausgerichtetes Vergütungssystem verfolgt, ist davon auszugehen, dass die grundsätzliche Struktur der CEO-Vergütung unter Jejurikar zunächst weitgehend unverändert fortgeführt wird.
Die Vergütung des CEOs besteht aus drei Bestandteilen:
- 7,5 % Festgehalt. Das jährliche Basisgehalt belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf rund 1,64 Mio. Dollar.
- 8,6 % Jahresbonus. Die Barvergütung richtet sich nach der Erreichung der jährlichen Unternehmensziele. Dabei fließen mehrere finanzielle und operative Kennzahlen ein. Im Geschäftsjahr 2025 erhielt Jon Moeller einen Bonus von rund 1,89 Mio. Dollar.
- 83,9 % Langfristige Vergütung. Den größten Teil der Vergütung erhält der CEO in Form von Aktienprogrammen. Die Hälfte besteht aus leistungsabhängigen Aktien, deren endgültige Anzahl von der Geschäftsentwicklung abhängt. Die andere Hälfte setzt sich überwiegend aus Aktienoptionen sowie zu einem kleineren Teil aus gesperrten Aktien zusammen. Die Programme sind auf 3 Jahre ausgelegt und sollen die Interessen des Managements mit denen der Aktionäre verbinden.
Das Gesamtgehalt belief sich im Geschäftsjahr 2025 auf rund 21,9 Mio. Dollar. Gemessen am Nettogewinn von rund 16,0 Mrd. Dollar entspricht dies lediglich etwa 0,10 % des EBIT und liegt damit deutlich unter einem kritischen Niveau. Angesichts der Größe, Profitabilität und der starken Marktstellung von Procter & Gamble ist die absolute Vergütung hoch, relativ zum Unternehmen jedoch angemessen.
Wir bewerten das Vergütungsprogramm insgesamt positiv. Besonders überzeugend ist der sehr hohe Anteil der langfristigen Aktienvergütung, wodurch das Management direkt am langfristigen Unternehmenserfolg beteiligt wird. Zudem hängt ein erheblicher Teil der Vergütung von der tatsächlichen Geschäftsentwicklung und der Aktienkursentwicklung im Vergleich zur Konkurrenz ab. Kritisch sehen wir lediglich, dass die mehrjährige Bindung der Aktienprogramme mit drei Jahren eher kurz ausfällt.
Aktionärsstruktur
Procter & Gamble hat eine sehr breit gestreute Aktionärsstruktur. Keiner der großen Anteilseigner besitzt auch nur annähernd eine Sperrminorität oder kann das Unternehmen allein maßgeblich beeinflussen. Die größten Aktionäre sind Vermögensverwalter wie Vanguard, BlackRock und State Street. Diese investieren vor allem im Auftrag ihrer Kunden und verfolgen in der Regel keinen aktiven Einfluss auf die Unternehmensstrategie. Für uns als langfristige Aktionäre spielt diese Eigentümerstruktur deshalb kaum eine Rolle.
CEO Shailesh Jejurikar hält Aktien von Procter & Gamble im Wert von rund 106 Mio. Dollar. Prozentual entspricht das zwar nur etwa 0,04 % aller ausstehenden Aktien, absolut ist die Beteiligung jedoch beachtlich. Nach mehr als 35 Jahren im Unternehmen zeigt sie, dass ein erheblicher Teil seines Vermögens an die langfristige Entwicklung von Procter & Gamble gekoppelt ist. Dadurch sitzen Management und Aktionäre finanziell im selben Boot und verfolgen das gleiche Ziel: einen nachhaltig steigenden Unternehmenswert.


Geschäftsmodell
Grundlagen zum Geschäftsmodell
Procter & Gamble gehört zu den größten Herstellern von Markenartikeln des täglichen Bedarfs. Das Unternehmen verkauft Produkte, die Verbraucher fast jeden Tag nutzen – vom Waschmittel über Windeln bis hin zu Zahnpasta, Rasierern und Hautpflege. Mit rund 84 Mrd. Dollar Jahresumsatz erzielt P&G den Großteil seiner Erlöse in fünf Produktsegmenten und verkauft seine Produkte weltweit.
Das Geschäftsmodell ist vergleichsweise einfach. P&G entwickelt Produkte, produziert sie selbst oder mit Partnern und verkauft sie an Handelsketten, Drogerien, Supermärkte, Großhändler sowie Onlinehändler. Der direkte Kunde ist also meist der Handel. Die eigentliche Nachfrage entsteht aber bei den Verbrauchern, die gezielt nach bekannten Marken wie Pampers, Gillette oder Ariel greifen.
Der wichtigste Erfolgsfaktor sind deshalb starke Marken. Viele Konsumenten kaufen ihre bevorzugten Produkte immer wieder und achten dabei weniger auf den Preis als auf Qualität und Vertrauen. Dadurch kann P&G häufig höhere Preise als No-Name-Anbieter verlangen. Gleichzeitig investiert das Unternehmen jedes Jahr hohe Summen in Produktverbesserungen, Werbung und Innovationen, um diese Markenstärke langfristig zu sichern.
P&G konzentriert sich bewusst auf Kategorien des täglichen Bedarfs. Waschmittel, Zahnpasta oder Windeln werden regelmäßig nachgekauft – unabhängig davon, wie sich die Wirtschaft entwickelt. Das sorgt für stabile Umsätze und gut planbare Cashflows. Gleichzeitig deckt der Konzern verschiedene Preisklassen ab und spricht damit sowohl preisbewusste als auch anspruchsvollere Kunden an.
Geschäftsmodell im Detail
Textil- und Haushaltsreinigung (35,4 %)
Textil- und Haushaltsreinigung ist das mit Abstand größte Segment von Procter & Gamble. Hier verkauft das Unternehmen unter anderem Waschmittel, Weichspüler, Geschirrspülmittel und Haushaltsreiniger. Marken wie Tide, Ariel, Dawn, Fairy oder Febreze gehören in vielen Ländern zu den Marktführern und sorgen für wiederkehrende Umsätze.
Das Segment wuchs in den vergangenen fünf Jahren organisch meist im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Während der Inflationsjahre trugen vor allem Preiserhöhungen das Wachstum. Inzwischen spielen Absatz und Innovationen wieder eine größere Rolle. Mit rund 35 % des Konzerngewinns ist das Segment der wichtigste Ertragsbringer von P&G.
Baby-, Damen- und Familienbedarf (24,2 %)
Dieses Segment umfasst Windeln, Damenhygiene, Inkontinenzprodukte und Haushaltspapier. Zu den bekanntesten Marken gehören Pampers, Always, Tampax, Charmin und Bounty. Die Produkte werden regelmäßig nachgekauft und sorgen dadurch für sehr stabile Umsätze und Cashflows.
Das organische Wachstum lag in den vergangenen fünf Jahren überwiegend im niedrigen einstelligen Bereich. Family Care entwickelte sich zuletzt stärker, während Baby Care unter sinkenden Geburtenraten in vielen Industrieländern leidet. Mit rund 24 % Anteil am Umsatz und Gewinn gehört das Segment zu den wichtigsten Säulen des Konzerns.
Beauty (18,0 %)
Das Beauty-Segment umfasst Produkte für Haar-, Haut- und Körperpflege. Zum Portfolio gehören unter anderem Pantene, Head & Shoulders, Olay, SK-II, Old Spice und Native. P&G setzt hier auf starke Marken, Innovationen und Premiumprodukte, die sich klar von günstigeren Wettbewerbern abheben.
In den vergangenen fünf Jahren erzielte das Segment überwiegend organisches Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Treiber sind neue Produkte, Premiumisierung und die steigende Nachfrage nach Körperpflege. Der Gewinnanteil liegt mit 16 % leicht unter dem Umsatzanteil von 18 %.
Gesundheit (14,4 %)
Der Gesundheitsbereich umfasst Zahnpflege sowie frei verkäufliche Gesundheitsprodukte. Bekannte Marken sind Oral-B, Crest, Vicks, Pepto-Bismol und Metamucil. Das Geschäft profitiert davon, dass Verbraucher bei Gesundheitsprodukten häufig auf bewährte Marken vertrauen.
Das Segment wuchs in den vergangenen fünf Jahren überwiegend organisch im mittleren einstelligen Prozentbereich. Vor allem Oral-B sowie Produkte für Verdauung und Erkältungen entwickelten sich positiv. Mit 15 % des Konzerngewinns trägt das Segment etwas mehr zum Ergebnis als zum Umsatz bei.
Körperpflege (8,0 %)
Das kleinste Segment umfasst Rasierer, Rasierklingen und Rasurpflegeprodukte. Die wichtigste Marke ist Gillette. Ergänzt wird das Portfolio unter anderem durch Venus und Braun. Besonders Rasierklingen sorgen dank regelmäßiger Nachkäufe für attraktive, wiederkehrende Umsätze.
Das Wachstum lag in den vergangenen fünf Jahren überwiegend im niedrigen einstelligen Bereich. Innovationen und Premiumprodukte gleichen den insgesamt langsam wachsenden Markt teilweise aus. Mit 10 % des Konzerngewinns erzielt das Segment einen etwas höheren Ergebnisbeitrag als sein Umsatzanteil vermuten lässt.

Nach den Produkten und Marken lohnt sich nun der Blick auf die geografische Verteilung der Umsätze. Sie zeigt, in welchen Regionen Procter & Gamble besonders stark aufgestellt ist und wo das Unternehmen sein Geld verdient. Gleichzeitig wird deutlich, wie breit der Konzern international aufgestellt ist und wie stark einzelne Absatzmärkte das Geschäft beeinflussen.
Mit 52 % stammt mehr als die Hälfte des Umsatzes aus Nordamerika. Europa folgt mit 22 % auf Platz zwei. Dahinter liegen Asien mit 14 %, Lateinamerika mit 7 % sowie Indien, Naher Osten und Afrika mit 5 %. Trotz der weltweiten Präsenz bleibt der Heimatmarkt in den USA damit der mit Abstand wichtigste Umsatztreiber.
Diese Verteilung bringt Vor und Nachteile mit sich. Der hohe Nordamerika-Anteil sorgt für stabile Einnahmen, da Procter & Gamble dort viele führende Marken besitzt und über eine starke Preissetzungsmacht verfügt. Gleichzeitig besteht aber auch eine gewisse Abhängigkeit von der Entwicklung des US-Marktes. Langfristig könnten vor allem Asien sowie Indien, Naher Osten und Afrika an Bedeutung gewinnen, da dort Bevölkerung, Kaufkraft und Konsum in vielen Regionen weiter wachsen.

Der Konzern verfolgt seit vielen Jahren eine erstaunlich konstante Strategie. Statt ständig neue Geschäftsfelder zu erschließen, konzentriert sich P&G darauf, seine bestehenden Marken Schritt für Schritt besser zu machen und dadurch langfristig Marktanteile zu gewinnen.
Im Mittelpunkt steht das Ziel, den Wettbewerbern in fünf Bereichen überlegen zu sein. Dazu zählen die Produktqualität, die Verpackung, die Markenkommunikation, die Zusammenarbeit mit dem Handel sowie das Preis-Leistungsverhältnis für Verbraucher und Handelspartner. Diese Überlegenheit soll dafür sorgen, dass sich Kunden auch bei höheren Preisen bewusst für eine Marke von P&G entscheiden.
Finanziert wird diese Strategie durch hohe Produktivität. P&G arbeitet kontinuierlich daran, Prozesse zu vereinfachen, Kosten zu senken und die Lieferkette effizienter zu machen. Die freiwerdenden Mittel fließen anschließend wieder in Innovationen, Werbung und Produktverbesserungen. Das Unternehmen sieht Produktivität deshalb nicht als Sparprogramm, sondern als Grundlage für zukünftiges Wachstum.
Gleichzeitig überprüft P&G regelmäßig sein Markenportfolio und trennt sich von schwächeren Geschäften. Parallel setzt der Konzern auf eine schlanke Organisation, schnellere Entscheidungen und den gezielten Einsatz digitaler Technologien. Das Ziel ist, sich schneller an veränderte Kundenbedürfnisse anzupassen und Innovationen zügiger auf den Markt zu bringen.

Ein wichtiger Grund für die stabile Entwicklung von Procter & Gamble ist die hohe Preissetzungsmacht. Das Unternehmen schafft es seit Jahrzehnten, steigende Kosten an die Kunden weiterzugeben, ohne dauerhaft große Marktanteile zu verlieren. Gerade bei bekannten Marken akzeptieren viele Verbraucher moderate Preiserhöhungen eher als einen Wechsel zu günstigeren Alternativen.
Besonders deutlich wurde das während der hohen Inflation in den Jahren 2022 und 2023. Gestiegene Rohstoff-, Energie- und Transportkosten glich P&G vor allem durch Preiserhöhungen aus. Der Absatz ging zwar zeitweise zurück, das organische Umsatzwachstum blieb jedoch positiv. Das zeigt, wie stark die Marken des Konzerns im Alltag vieler Verbraucher verankert sind.
Seit 2024 normalisiert sich diese Entwicklung wieder. Die Preiserhöhungen fallen deutlich geringer aus und das Wachstum wird zunehmend vom Absatz getragen. Für Investoren ist vor allem entscheidend, dass P&G seine Preissetzungsmacht in der Inflationsphase unter Beweis gestellt hat. Künftig wird das Wachstum allerdings wieder stärker von höheren Absatzmengen und Innovationen abhängen als von weiteren Preiserhöhungen.

Fazit zum Geschäftsmodell
Procter & Gamble verfügt über ein einfach verständliches, aber außergewöhnlich starkes Geschäftsmodell. Der Konzern konzentriert sich auf Produkte des täglichen Bedarfs, die regelmäßig nachgekauft werden. Starke Marken, eine weltweite Präsenz und eine konsequente Fokussierung auf Innovationen sorgen dafür, dass P&G auch in schwierigen Marktphasen stabile Umsätze und hohe Cashflows erwirtschaftet.
Besonders überzeugt uns die Kombination aus Preissetzungsmacht, hoher Effizienz und einer langfristig ausgerichteten Unternehmensstrategie. P&G verzichtet auf riskante Experimente und entwickelt stattdessen seine bestehenden Marken kontinuierlich weiter. Das dürfte zwar kein überdurchschnittlich hohes Wachstum ermöglichen, schafft aus unserer Sicht aber ein äußerst robustes Geschäftsmodell mit planbaren Erträgen und attraktiven Renditen über viele Jahre.

Branche
Die FMCG-Branche
Der Markt für schnell bewegende Konsumgüter, auch FMCG genannt, gehört zu den größten und stabilsten Branchen der Welt. Im Jahr 2025 liegt das weltweite Marktvolumen bei rund 13,1 Bio. Dollar. Bis 2035 soll es auf etwa 21,3 Bio. Dollar wachsen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von rund 5,0 %. Für Anleger ist dabei weniger das hohe Wachstum entscheidend, sondern die außergewöhnliche Planbarkeit.
Die Nachfrage bleibt selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erstaunlich stabil. Konsumgüter wie Waschmittel, Zahnpasta, Windeln oder Rasierer werden unabhängig von der Konjunktur gekauft. Wachstum entsteht vor allem durch eine steigende Weltbevölkerung, höhere Einkommen in Schwellenländern sowie regelmäßige Preiserhöhungen. Hinzu kommen Premiumprodukte und Innovationen, mit denen Hersteller ihre Margen verbessern können.

Gleichzeitig ist der Wettbewerb enorm. Selbst die größten Konzerne vereinen zusammen nur rund 3,4 % des weltweiten Marktes. Die übrigen 96,6 % entfallen auf tausende regionale Hersteller und spezialisierte Marken. Diese starke Fragmentierung zeigt, wie groß das Marktpotenzial ist. Sie macht aber auch deutlich, dass Marktanteile hart umkämpft sind und selbst globale Marktführer keine dominante Stellung besitzen.
Zu den größten Risiken zählen steigende Rohstoffpreise, Währungsschwankungen und der zunehmende Wettbewerbsdruck durch Handelsmarken. Gleichzeitig eröffnen Digitalisierung, E-Commerce und neue Vertriebskanäle zusätzliche Wachstumschancen. Unternehmen mit starken Marken, globalen Vertriebsnetzen und hoher Preissetzungsmacht sind deshalb langfristig klar im Vorteil und können sich häufig besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

Wettbewerbsvergleich
Unilever
Unilever gehört zu den größten Konsumgüterherstellern der Welt und verkauft Produkte aus den Bereichen Körperpflege, Haushalt und Lebensmittel. Bekannte Marken sind Dove, Rexona, Knorr und Hellmann's. Das Unternehmen erzielt einen großen Teil seines Umsatzes in Schwellenländern und verfügt dadurch über eine sehr breite internationale Aufstellung. Mit der Abspaltung des Eiscreme-Geschäfts konzentriert sich Unilever künftig stärker auf margenstärkere Kategorien.
Im Vergleich zu Procter & Gamble ist Unilever deutlich breiter diversifiziert. Während P&G ausschließlich auf Kategorien mit hoher Markenstärke und attraktiven Margen setzt, ist Unilever zusätzlich im Lebensmittelgeschäft aktiv. Das macht den Konzern weniger fokussiert und drückt die Profitabilität. Dafür ist Unilever in vielen Schwellenländern noch stärker vertreten und kann dort langfristig vom steigenden Wohlstand profitieren.
Bei den Kennzahlen kann Unilever nur teilweise überzeugen. Das historische Wachstum war schwach und auch die EBIT-Marge liegt unter der von Procter & Gamble. Positiv sind dagegen die günstigste Bewertung und die höchste Dividendenrendite im Vergleich. Der Konzern befindet sich mitten in einem strategischen Umbau. Gelingt es, Profitabilität und Wachstum nachhaltig zu steigern, könnte die aktuelle Bewertung langfristig durchaus Aufholpotenzial bieten.
Colgate-Palmolive
Colgate-Palmolive ist ein weltweit führender Hersteller von Produkten für Mundpflege, Körperpflege, Haushalt und Tiernahrung. Besonders im Bereich Zahnpasta nimmt das Unternehmen in vielen Ländern eine marktführende Stellung ein. Die starke Markenbekanntheit und eine hohe Präsenz in Schwellenländern sorgen seit vielen Jahren für ein stabiles und profitables Wachstum.
Im Gegensatz zu Procter & Gamble ist Colgate deutlich fokussierter. Das Unternehmen verzichtet auf große Kategorien wie Baby- oder Rasurprodukte und konzentriert sich auf wenige Geschäftsfelder, in denen es häufig Marktführer ist. Dadurch erzielt Colgate ein sehr effizientes Geschäftsmodell, ist aber gleichzeitig stärker von einzelnen Produktkategorien abhängig als P&G.
Colgate gehört zu den stärksten Unternehmen im Vergleich. Das erwartete Umsatzwachstum der kommenden drei Jahre ist mit 4,1 % das höchste der Vergleichsgruppe. Die operative Marge bewegt sich auf einem hohen Niveau und die Verschuldung ist niedrig. Der einzige größere Nachteil ist die Bewertung, denn das KGV zählt zu den höchsten im Vergleich.
Church & Dwight
Church & Dwight ist deutlich kleiner als die übrigen Unternehmen im Vergleich, zählt aber zu den erfolgreichsten Konsumgüterherstellern der USA. Das Unternehmen konzentriert sich auf Marken in den Bereichen Körperpflege, Haushalt sowie Nahrungsergänzungsmittel. Besonders bekannt ist die Marke Arm & Hammer, die in zahlreichen Produktkategorien eingesetzt wird.
Im Vergleich zu Procter & Gamble verfolgt Church & Dwight eine andere Wachstumsstrategie. Statt auf ein riesiges Markenportfolio setzt das Unternehmen gezielt auf kleinere Marken mit hohem Wachstumspotenzial und ergänzt diese regelmäßig durch Übernahmen. Außerdem ist Church & Dwight wesentlich stärker auf Nordamerika fokussiert, während P&G seine Umsätze deutlich internationaler erzielt.
Bei den Kennzahlen sticht Church & Dwight vor allem durch das Wachstum hervor. Sowohl über fünf als auch über zehn Jahre weist das Unternehmen das höchste Umsatzwachstum im Vergleich auf. Gleichzeitig fällt die EBIT-Marge spürbar niedriger aus als bei P&G und auch die Bewertung ist trotz der Unternehmensgröße ambitioniert. Die geringe Dividendenrendite macht die Aktie vor allem für Wachstumsinvestoren interessant.
Procter & Gamble Aktie im Vergleich
Procter & Gamble überzeugt vor allem mit der höchsten Qualität innerhalb der Vergleichsgruppe. Das Unternehmen erzielt die mit Abstand höchste EBIT-Marge und weist gleichzeitig die niedrigste Verschuldung auf. Das zeigt, wie profitabel und effizient das Geschäftsmodell arbeitet.
Die Konkurrenz kann P&G nur in einzelnen Bereichen übertreffen. Church & Dwight wächst schneller, Unilever ist günstiger bewertet und bietet die höchste Dividendenrendite. Colgate überzeugt mit einem starken Wachstum und einer hohen Profitabilität. Insgesamt bietet Procter & Gamble jedoch aus unserer Sicht den besten Mix aus Qualität, Stabilität und Bewertung.

Kennzahlen
AktienInsight-Rating
Procter & Gamble erzielt im AktienInsight-Rating die Höchstwertung von 6 von 9 Punkten. Das Wachstum fällt zwar vergleichsweise moderat aus, doch das ist typisch für einen weltweit führenden Konsumgüterkonzern mit bereits enormer Größe. Viel wichtiger ist, dass Umsatz, Gewinn und Cashflow seit Jahren zuverlässig steigen und das Unternehmen seine starke Marktposition kontinuierlich in höhere Erträge ummünzt. Wachstum ist hier kein Selbstzweck, sondern erfolgt profitabel und mit hoher Planbarkeit.
Die eigentliche Stärke liegt in der Qualität des Geschäfts. Eine EBIT-Marge von fast 25 % ist in der Konsumgüterbranche außergewöhnlich und zeigt die enorme Preissetzungsmacht der Marken. Gleichzeitig erwirtschaftet Procter & Gamble Kapitalrenditen weit über den Kapitalkosten und verfügt über eine sehr solide Bilanz. Selbst im schwierigen Jahr 2022 blieb der Gewinn nahezu stabil. Für Investoren ist das ein seltenes Gesamtpaket aus hoher Profitabilität, Krisenfestigkeit und finanzieller Stabilität.

Umsatzentwicklung
Procter & Gamble ist in den vergangenen zehn Jahren nur um durchschnittlich 1,8 % pro Jahr gewachsen. Das wirkt auf den ersten Blick wenig, ist für einen Konsumgüterriesen dieser Größe aber nicht ungewöhnlich. Das Unternehmen ist in vielen Märkten bereits führend und kann kaum noch über neue Regionen wachsen. Stattdessen setzt das Management auf Preiserhöhungen, Produktinnovationen und ein profitableres Markenportfolio. Genau diese Strategie sorgte nach der Pandemie auch für den deutlichen Umsatzsprung in den Jahren 2021 und 2022.
Wir halten eine leichte Beschleunigung des Wachstums in den kommenden Jahren für realistisch. Große Wachstumssprünge erwarten wir bei Procter & Gamble allerdings nicht. Dafür ist der Konzern in seinen Kernmärkten bereits zu dominant. Viel wichtiger ist aus unserer Sicht die hohe Planbarkeit der Umsätze.

EBIT und Free Cash Flow
Über die vergangenen zehn Jahre ist das EBIT mit durchschnittlich 4,0 % pro Jahr deutlich schneller gestiegen als der Umsatz. Das zeigt, dass Procter & Gamble profitabler geworden ist. Entscheidend dafür waren konsequente Preiserhöhungen, ein stärkerer Fokus auf margenstarke Premiumprodukte und ein striktes Kostenmanagement. Der leichte Rückgang im Jahr 2022 war vor allem auf stark gestiegene Rohstoff-, Energie- und Transportkosten zurückzuführen, die sich nur zeitverzögert an die Kunden weitergeben ließen.
Für die kommenden Jahre erwarten wir eine etwas langsamere Gewinnentwicklung. Das halten wir für plausibel. Nach den außergewöhnlich starken Preiserhöhungen der vergangenen Jahre dürfte weiteres Wachstum wieder stärker über höhere Absatzmengen und Produktinnovationen kommen. Gleichzeitig bewegt sich die EBIT-Marge bereits auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Zusätzliche Margensteigerungen werden dadurch schwieriger, was das Gewinnwachstum ganz natürlich etwas begrenzt.

Der Free Cash Flow eines Unternehmens gibt an, wie viel freie Mittel es wirklich pro Jahr zur Verfügung hat. Mit diesem Geld können Dividenden gezahlt, Schulden getilgt oder in neue Projekte im Unternehmen investiert werden.
Der Free Cashflow ist in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 2,6 % pro Jahr gestiegen. Die Entwicklung verlief dabei deutlich schwankungsanfälliger als bei Umsatz und EBIT. Das liegt vor allem daran, dass der Free Cashflow zusätzlich von Veränderungen im Working Capital und den Investitionen beeinflusst wird. Der außergewöhnlich hohe Wert im Jahr 2020 entstand vor allem durch einen temporären Abbau des Working Capitals und geringere Investitionen während der Pandemie. 2021 normalisierte sich dieser Effekt wieder.
Für die kommenden Jahre erwarten wir wieder einen klaren Aufwärtstrend. Das passt gut zum Geschäftsmodell von Procter & Gamble. Der Konzern benötigt nur vergleichsweise geringe Investitionen, während starke Marken und hohe Margen kontinuierlich viel Liquidität erwirtschaften.

Die Margen zeigen sehr gut, warum Procter & Gamble zu den profitabelsten Konsumgüterunternehmen der Welt gehört. Trotz Inflation, höherer Rohstoffpreise und gestiegener Transportkosten blieb die Bruttomarge über die Jahre erstaunlich stabil und liegt weiterhin bei über 50 %. Das spricht für eine enorme Preissetzungsmacht. Der Konzern konnte Kostensteigerungen größtenteils an die Kunden weitergeben, ohne nennenswerte Marktanteile zu verlieren.
Noch beeindruckender finden wir die Entwicklung der EBIT-Marge. Sie ist in den vergangenen zehn Jahren von rund 20 % auf fast 25 % gestiegen. Das zeigt, dass nicht nur die Preise erhöht wurden, sondern das Unternehmen auch effizienter arbeitet. Portfoliooptimierungen, Produktivitätsprogramme und der Fokus auf margenstarke Marken zahlen sich zunehmend aus. Für uns ist das ein klares Zeichen für die hohe Qualität des Geschäftsmodells.

Ausschüttungen
Procter & Gamble hat die Dividende seit über 70 Jahren ohne Unterbrechung erhöht. Das ist eine der längsten Serien weltweit und unterstreicht die außergewöhnliche Verlässlichkeit des Unternehmens.
Auch in den vergangenen zehn Jahren setzte sich dieser Trend fort. Die Dividende stieg mit durchschnittlich 4,6 % pro Jahr und dürfte sich nach unserer Einschätzung in ähnlichem Tempo weiterentwickeln. Gleichzeitig blieb die Ausschüttungsquote über viele Jahre auf einem gesunden Niveau. Das lässt genügend Spielraum für Investitionen, Aktienrückkäufe und weitere Dividendenerhöhungen – eine Kombination, die langfristige Anleger besonders schätzen.

Die aktuelle Dividendenrendite von rund 2,8 % liegt leicht über dem Median der vergangenen zehn Jahre. Damit ist die Aktie aus historischer Sicht weder besonders günstig noch teuer bewertet. Auffällig ist, dass die Rendite in Phasen starker Kursrückgänge, etwa 2018 oder während der Corona-Pandemie, deutlich anstieg. Das zeigt, dass sich bei Qualitätsunternehmen wie Procter & Gamble gerade in schwächeren Marktphasen oft attraktive Einstiegsgelegenheiten ergeben.
Aus unserer Sicht bleibt die Dividendenrendite vor allem ein Zeichen für die hohe Stabilität des Unternehmens. Wer auf eine außergewöhnlich hohe laufende Ausschüttung hofft, wird hier nicht fündig. Dafür überzeugt Procter & Gamble mit einer Dividende, die seit Jahrzehnten zuverlässig wächst und von einem robusten Geschäftsmodell getragen wird. Langfristig zählt aus unserer Sicht genau diese Kombination deutlich mehr als eine kurzfristig hohe Anfangsrendite.

Seit Jahren nutzt Procter & Gamble einen großen Teil seines freien Cashflows für Aktienrückkäufe. Dadurch ist die Zahl der ausstehenden Aktien in den vergangenen zehn Jahren um durchschnittlich 1,6 % pro Jahr gesunken. Für bestehende Aktionäre ist das ein klarer Vorteil. Jeder Anteilsschein repräsentiert dadurch einen etwas größeren Anteil am Unternehmen. Gleichzeitig steigen Kennzahlen wie Gewinn und Free Cashflow je Aktie, auch wenn das operative Geschäft nur moderat wächst.

Bilanzanalyse
Schulden. Procter & Gamble hat rund 25,0 Mrd. Dollar Nettoschulden. Dem steht ein EBITDA von 23,6 Mrd. Dollar gegenüber. Das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA liegt damit bei etwa 1,1x. Das ist ein sehr guter Wert und zeigt, dass die Verschuldung für ein Unternehmen mit den stabilen Cashflows von Procter & Gamble absolut unproblematisch ist.
Zinsen. Die jährlichen Zinsaufwendungen liegen bei rund 896 Mio. Dollar. Gleichzeitig erwirtschaftet Procter & Gamble ein EBIT von 20,8 Mrd. Dollar. Die operative Gewinnkraft deckt die Zinsen damit mehr als 23-mal ab. Selbst wenn das Zinsniveau länger erhöht bleiben sollte, sehen wir hier keinerlei Risiken für die finanzielle Stabilität des Unternehmens.
Kreditrating. Procter & Gamble besitzt ein Kreditrating von AA-. Damit gehört das Unternehmen zu den bonitätsstärksten Konzernen weltweit. Das Rating zeigt, dass Gläubiger dem Unternehmen eine sehr hohe Rückzahlungsfähigkeit zutrauen. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verschafft das günstige Finanzierungsmöglichkeiten und erhöht die finanzielle Flexibilität.
Goodwill. Goodwill entsteht vor allem durch Übernahmen und spiegelt Werte wie Marken, Kundenbeziehungen oder Synergien wider, die nicht separat bilanziert werden können.
Procter & Gamble weist rund 41,7 Mrd. Dollar Goodwill aus. Das entspricht etwa 33 % der Bilanzsumme. Dass der Wert aufgrund der zahlreichen übernommenen Marken vergleichsweise hoch ist, ist nachvollziehbar. Trotzdem liegt er über unserem Richtwert von 25 % und sollte von Investoren im Auge behalten werden.
Fazit zur Bilanz. Die Bilanz von Procter & Gamble gefällt uns insgesamt gut. Die Verschuldung ist niedrig, die Zinsen sind problemlos tragbar und das starke Kreditrating spricht für eine sehr solide Finanzlage. Einziger kleiner Kritikpunkt ist der relativ hohe Goodwill. Insgesamt trauen wir Procter & Gamble aber ohne Weiteres zu, auch eine schwerere Wirtschaftskrise finanziell gut zu überstehen.

Chancen & Risiken
Chancen
Weitere Margensteigerungen durch Produktivitätsprogramm. Procter & Gamble investiert seit Jahren in Automatisierung, Digitalisierung und eine schlankere Lieferkette. Gleichzeitig wird das Markenportfolio konsequent auf margenstarke Produkte fokussiert. Gelingt es, diese Effizienzmaßnahmen fortzusetzen, könnten die ohnehin hohen Margen langfristig weiter steigen.
Wachstum in Schwellenländern. In Märkten wie Indien, Indonesien, Vietnam oder Afrika ist der Pro-Kopf-Verbrauch vieler P&G-Produkte noch deutlich niedriger als in Industrieländern. Mit wachsender Mittelschicht, höherer Kaufkraft und besserem Vertrieb besitzt das Unternehmen dort erhebliches langfristiges Wachstumspotenzial.
Ausbau des Premiumsegments. P&G gelingt es seit Jahren, Verbraucher zu höherpreisigen Produktvarianten zu bewegen. Innovationen wie verbesserte Rasierer, Premium-Waschmittel oder hochwertige Hautpflege erhöhen den durchschnittlichen Verkaufspreis und stärken gleichzeitig die Profitabilität.
Stärkeres organisches Wachstum durch Innovationen. P&G gehört zu den innovativsten Unternehmen der Konsumgüterbranche und bringt regelmäßig verbesserte Produkte auf den Markt. Gelingen weitere erfolgreiche Innovationen, kann das Unternehmen Marktanteile gewinnen und das zuletzt eher moderate Umsatzwachstum wieder beschleunigen.
Risiken
Anhaltend schwaches Absatzwachstum. In den vergangenen Jahren stammt ein großer Teil des Umsatzwachstums aus Preiserhöhungen. Das Absatzwachstum liegt dagegen häufig nur im niedrigen einstelligen Bereich. Bleibt diese Entwicklung bestehen, stößt P&G langfristig an Wachstumsgrenzen.
Schadenshöhe: hoch, Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch
Marktanteilsverluste durch Eigenmarken. In wirtschaftlich schwächeren Zeiten greifen Verbraucher häufiger zu günstigeren Eigenmarken des Handels. Besonders in Kategorien wie Waschmittel, Papierprodukte oder Haushaltsreiniger kann dies Marktanteile kosten und den Preissetzungsspielraum verringern.
Schadenshöhe: mittel, Eintrittswahrscheinlichkeit: hoch
Abhängigkeit von wenigen Kernmarken. Ein erheblicher Teil des Gewinns stammt von einer vergleichsweise kleinen Zahl besonders starker Marken wie Tide, Pampers, Gillette oder Oral-B. Sollten einzelne dieser Marken dauerhaft Marktanteile verlieren, würde sich das überproportional auf das Gesamtergebnis auswirken.
Schadenshöhe: hoch, Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig
Anhaltender Rohstoff- und Verpackungskostendruck. P&G benötigt große Mengen an Zellstoff, Kunststoffen, Chemikalien und Verpackungsmaterialien. Steigen diese Kosten dauerhaft schneller als die Verkaufspreise, geraten die Margen unter Druck – insbesondere wenn Verbraucher weitere Preiserhöhungen nicht mehr akzeptieren.
Schadenshöhe: mittel, Eintrittswahrscheinlichkeit: mittel
Schwierige Großübernahmen als Wachstumshebel. P&G wächst heute überwiegend organisch und tätigt nur kleinere Akquisitionen. Wirklich große Übernahmen wären aufgrund kartellrechtlicher Hürden und der bereits starken Marktstellung schwierig umzusetzen. Dadurch fehlen potenziell wichtige externe Wachstumsmöglichkeiten.
Schadenshöhe: niedrig, Eintrittswahrscheinlichkeit: niedrig


Bewertung
Historische Bewertung
Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von aktuell 4,2 wird Procter & Gamble leicht unter seinem langfristigen Median von 4,6 bewertet. Das entspricht einem Abschlag von rund 8,7 %. Historisch bewegte sich die Bewertung meist zwischen etwa 3 und 5. Besonders während der Niedrigzinsphase nach der Corona-Pandemie wurde die Aktie zeitweise deutlich höher bewertet.
Für die kommenden Jahre erwarten wir, dass sich das KUV leicht weiter zurückbildet. Zwar dürfte Procter & Gamble seine Umsätze kontinuierlich steigern, gleichzeitig rechnen wir jedoch mit einer etwas moderateren Bewertung durch den Markt. Insgesamt sehen wir daher keine Anzeichen für eine überhöhte Bewertung.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei 22,3 und damit unter dem langfristigen Median von 25,0. Die Aktie wird somit mit einem Abschlag von rund 10,8 % gegenüber ihrer historischen Durchschnittsbewertung gehandelt. Abgesehen von einzelnen Sondereffekten lag das KGV in den vergangenen Jahren meist in einer Spanne zwischen 20 und 30.

Rendite basierend auf KGV-Modell
Für die Bewertung der Procter & Gamble-Aktie verwenden wir ein Modell auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses. Damit schätzen wir ab, wie sich Unternehmensentwicklung und Bewertung über die nächsten zehn Jahre in unterschiedlichen Szenarien entwickeln kann.
Hierfür haben wir ein Bären-, ein mittleres- und ein Bullen-Szenario entwickelt. Je nach Szenario treffen wir unterschiedlich optimistische Annahmen zu Umsatzwachstum, Margenentwicklung und der zukünftigen Bewertung der Aktie.
Aktuell wird Procter & Gamble mit einem erwarteten 2026er KGV von rund 22 bewertet. Aufgrund der stabilen Marktstellung und der hohen Cashflows gehen wir davon aus, dass die Aktie auch langfristig mit einer Premiumbewertung gehandelt wird. Zusätzlich unterstellen wir in allen Szenarien eine Ausschüttungsrendite von rund 4,4 % pro Jahr.
Mittleres Szenario
In unserem Basisszenario wächst Procter & Gamble vor allem durch Innovationen, Preiserhöhungen und moderate Marktanteilsgewinne. Größere Übernahmen spielen weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig gelingt es dem Unternehmen, seine Produktivität schrittweise zu steigern und die Profitabilität auf einem hohen Niveau zu halten.
- Wir gehen von 3,5 % organischem Umsatzwachstum pro Jahr aus.
- Übernahmen tragen durchschnittlich 0,5 % pro Jahr zum Wachstum bei.
- Wir rechnen damit, dass die EBIT-Marge bis 2036 auf 25 % gesteigert werden kann.
- Wir nehmen an, dass sich das KGV bis 2036 bei 22 hält.
Damit erhalten wir: 4,4 % Rendite durch Ausschüttungen und weitere 3,6 % Kursrendite. Insgesamt ergibt sich eine erwartete Rendite von 8,0 % pro Jahr.
Bären-Szenario
In diesem Szenario gehen wir davon aus, dass das Konsumgütergeschäft langsamer wächst. Handelsmarken gewinnen Marktanteile und die Preissetzungsmacht nimmt etwas ab. Gleichzeitig gelingt es Procter & Gamble nicht mehr, die Margen auf dem heutigen Niveau zu halten.
- Wir gehen von 2,0 % organischem Umsatzwachstum pro Jahr aus.
- Übernahmen tragen durchschnittlich 1,0 % pro Jahr zum Wachstum bei.
- Wir erwarten eine EBIT-Marge von 22 % im Jahr 2036.
- Wir nehmen an, dass das KGV auf 17 sinkt.
Damit erhalten wir: 4,4 % Rendite durch Ausschüttungen und eine Kursrendite von -1,4 %. Insgesamt ergibt sich eine Rendite von 3,0 % pro Jahr.
Bullen-Szenario
In unserem optimistischen Szenario gelingt es Procter & Gamble, Innovationen erfolgreich am Markt zu platzieren und gleichzeitig weitere Produktivitätsfortschritte zu erzielen. Das Unternehmen gewinnt Marktanteile hinzu und bleibt für Anleger einer der attraktivsten Qualitätswerte weltweit.
- Wir gehen von 5,0 % organischem Umsatzwachstum pro Jahr aus.
- Übernahmen tragen durchschnittlich 0,3 % pro Jahr zum Wachstum bei.
- Wir rechnen damit, dass die EBIT-Marge bis 2036 auf 27 % steigt.
- Wir nehmen an, dass das KGV im Jahr 2036 bei 26 liegt.
Damit erhalten wir: 4,4 % Rendite durch Ausschüttungen und weitere 7,6 % Kursrendite. Insgesamt ergibt sich eine erwartete Rendite von 12,0 % pro Jahr.
Ergebnis
Im Durchschnitt der drei gleich gewichteten Szenarien ergibt sich eine Renditeerwartung von rund 6,9 % pro Jahr auf den aktuellen Kurs von 151,1 Dollar. In diese Berechnung haben wir bereits eine Sicherheitsmarge von 10 % eingerechnet, um mögliche Unsicherheiten bei der langfristigen Entwicklung zu berücksichtigen.
Aus unserer Sicht ist Procter & Gamble aktuell solide bewertet, aber kein Schnäppchen. Attraktiv wird die Aktie für uns unterhalb von 130 Dollar, weil dann eine erwartete Rendite von über 8,5 % pro Jahr möglich wäre. Auf dem heutigen Kursniveau eignet sich die Aktie vor allem für langfristige Qualitäts- und Dividendeninvestoren, bietet aber nur begrenztes Kurspotenzial.

Fazit
Procter & Gamble gehört zu den hochwertigsten Konsumgüterunternehmen der Welt. Mit Marken wie Pampers, Ariel, Gillette und Oral-B verkauft der Konzern Produkte, die Verbraucher täglich benötigen. Rund 84,3 Mrd. Dollar Umsatz verteilen sich auf fünf Segmente, wobei Textil- und Haushaltsreinigung mit 35,4 % den größten Anteil ausmacht. Mehr als die Hälfte der Erlöse stammt aus Nordamerika, gleichzeitig ist P&G in über 180 Ländern aktiv.
Der Markt wächst zwar nicht rasant, dafür aber sehr verlässlich. Der weltweite FMCG-Markt hat ein Volumen von rund 13,1 Bio. Dollar und soll bis 2035 auf 21,3 Bio. Dollar wachsen, was etwa 5,0 % pro Jahr entspricht. Wachstumstreiber bleiben vor allem Schwellenländer, Innovationen und Premiumprodukte. Gleichzeitig sorgen Handelsmarken, steigende Rohstoffkosten und intensiver Wettbewerb für anhaltenden Druck.
Die Kennzahlen zeigen ein außergewöhnlich hochwertiges Unternehmen. Im AktienInsight-Rating erreicht Procter & Gamble die Höchstwertung von 6 von 9 Punkten. Mit einer EBIT-Marge von 24,6 %, einer Verschuldung von nur 1,1x Nettoschulden zum EBITDA und einem AA-Rating zählt P&G zu den finanziell stärksten Konzernen der Branche. Das Wachstum fällt mit 1,8 % Umsatzplus pro Jahr über zehn Jahre zwar moderat aus, dafür erhöht der Konzern seine Dividende seit fast 70 Jahren.
Die größten Chancen sehen wir in Innovationen, weiteren Produktivitätssteigerungen und dem Wachstum in Schwellenländern. Gleichzeitig dürfte die starke Preissetzungsmacht auch künftig hohe Margen ermöglichen. Risiken bleiben das schwache Absatzwachstum, der zunehmende Wettbewerb durch Handelsmarken sowie Wechselkurs- und Rohstoffrisiken. Insgesamt halten wir diese Risiken für gut beherrschbar, sehen aber nur begrenztes Wachstumspotenzial.
Unterm Strich ist Procter & Gamble ein hervorragendes Unternehmen, die Aktie wirkt aktuell aber nur fair bewertet. Unser KGV-Modell ergibt beim aktuellen Kurs von 151,1 USD eine Renditeerwartung von rund 6,9 % pro Jahr. Das ist für ein defensives Qualitätsunternehmen solide, aus unserer Sicht aber zu wenig, um die Aktie derzeit als kaufenswert einzustufen. Attraktiv wird sie für uns unterhalb von 130 Dollar, wo eine erwartete Rendite von über 8,5 % pro Jahr möglich wäre.
Über den Autor
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Ibo Ahmiane (ProfessorFinanzen)
Vom normalen Bankangestellten zu einem der erfolgreichsten Finfluencer. Ibo spricht auf seinen Social Media Kanälen über finanzielle Bildung und erreicht dort schon über 2,2 Millionen Menschen. Durch seine Arbeit in der Bank musste er immer wieder feststellen, dass die meisten Menschen keine Ahnung davon haben, wie sie richtig mit ihrem Geld umgehen. Unser Bildungssystem hat scheinbar keinen Platz für Finanzbildung und das will er ändern. Ibo selbst hat im Alter von 28 Jahren bereits über 1.000.000€ investiert.
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